Unser Learning in Zeiten von Corona

Die STAR(R)-Methode und unser Learning in Zeiten von Corona 

Allen Personalern ist die Methode für z.B. Interviews geläufig. STAR als Akronym für Situation, Task, Action und Result. Mir gefällt STARR, diese Variante beinhaltet noch die Reflection. 

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Wir verwenden die STARR-Methode nicht nur im Recruiting, bzw. Interview, sondern auch gerne in der Karriereberatung als Hilfe zur Identifikation von Erfolgsgeschichten und auch „Learnings“ die wir aus sehr herausfordernden Situationen oder Krisen mitnehmen können. 

Heute kam mir beim Laufen durch den Park, dem erlaubten Individualsport sei Dank, die Idee, die Methode auf die gegenwärtige Krise anzuwenden und nach Erkenntnisgewinn durchzuspielen. Nach dem Motto: Wo in dieser Krise liegt unser Learning? 

Situation:

In einer Zeit, in der in unserer Gesellschaft die Tendenzen zur Vereinsamung, Vereinzelung, Verarmung und Individualisierung immer mehr zunehmen ereilt uns ein Virus, das uns dazu zwingt, unsere Sozialkontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Zwangspause und plötzlicher sozialer Entzug. Großeltern vermissen schmerzlich ihre Enkelkinder, Kontakt zu Freunden erfolgt auf unbestimmte Zeit nur noch über Telefon und/oder soziale Netzwerke, auch zu den Freunden, die direkt um die Ecke wohnen.

Kein geselliges Miteinander mehr im Park oder in der Kneipe. Legt Corona den Finger in die Wunde? Trifft zudem Corona nicht die Länder am härtesten, deren Sozialstaat, nicht nur das Gesundheitssystem, am schwächsten ist?
Gleichzeitig rücken wir global enger zusammen als uns lieb ist, dieses Virus kennt keine Grenzen und umkreist mit Leichtigkeit sicher mehrere Male ungehindert unseren blauen Planeten.

Ein Spuk, der unser Leben komplett auf den Kopf stellt, Industriestaaten ausknockt und ganze Branchen in die Pleite treibt. Die Situation wird in armen Ländern, deren Versorgungslage vor Corona schon prekär war, nun unerträglich, beschämend unmenschlich.
Kaum jemand, der nicht morgens aufsteht und hofft, nun endlich aus einem schlechten Traum aufgewacht zu sein. 

Task:

Ja, was ist unsere Aufgabe?
Sicher zuerst so schnell wie möglich einen Impfstoff zu entwickeln und marktfähig zu machen. Und klar, allen Erkrankten zu helfen, möglichst zu genesen und die vielen Toten zu Grabe zu tragen. Zu betrauern.

Nicht den Kopf zu verlieren, uns gegenseitig zu unterstützen und das Beste daraus zu machen, denn ändern können wir die aktuelle Situation spontan nicht.
Verantwortung zu übernehmen, als Einzelner, als Unternehmer, als Unternehmen. Der Sozialstaat und die Demokratie sind nun mehr denn ja gefragt.
Aber vor allem inne zu halten und nachzudenken, wie es weiter gehen soll. Und so schnell wie möglich unser Leben, unsere innere Einstellung zu ändern, damit wir nach dieser Krise auf allen Ebenen handlungs- und überlebensfähig bleiben! Auch bei zukünftigen Krisen!

Action:

#Die Toten zu Grabe tragen: Unsere achtjährige Tochter fragte mich gestern, wie man das denn machen könne, da ja niemand zur Beerdigung gehen dürfe und dass gemeinsame Trauerritual nicht durchgeführt werden könne. Wie wahr! Also eine Aktion, die wir nachholen müssen, wenn es wieder geht. Vielleicht auch die Einführung eines Staatstrauertages?

#Nicht den Kopf verlieren: Jeder muss verantwortungsvoll auf sich und die anderen aufpassen, ganz praktisch: Keine unnötigen Kontakte, niemanden gefährden, zwei Meter Abstand halten. Überall, im Supermarkt, auf der Straße an der Ampel wie in der Produktion, wenn es noch eine Produktion gibt. Geduldig sein und sich Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge. Eine Tugend, die gerade in Deutschland wegen der hohen Taktung des Arbeitsalltages und den zu vielen Überstunden nur Wenige beherrschen. Fast alle Menschen, die zu uns in die Karriereberatung kommen, klagen über zu viel Arbeit und zu wenig Zeit und Zufriedenheit im Privaten.

#Sozialstaat: Die Regierung musste und muss Regelungen finden, wirtschaftlich zu retten, was zu retten ist. Verschiedene Maßnahmen wurden getroffen, hoffen wir, dass sie schnell und unbürokratisch greifen.
#Unser Leben: Jeder Einzelne kann helfen. Der älteren Dame in der Nachbarschaft die Einkäufe erledigen, geduldig die Kinder zu Hause unterrichten, nicht auszuflippen und friedlich zu agieren in der häuslichen Enge.

#Als Unternehmer Verantwortung für die Arbeitnehmer zu übernehmen und nicht in Panik zu verfallen, z.B. nicht unnötig Mitarbeiter zu entlassen. Nicht nur an das Überleben des eigenen Unternehmens zu denken, sondern durch nachhaltiges Handeln auch an die Lieferanten und Kundenunternehmen. Und darüber hinaus auch sich sozial zu engagieren.
Ehrenamtlich oder vergünstigte Dienstleistungen anzubieten, sofern z.B. remote möglich.

#System ändern: Aber nicht nur reagieren ist gefragt, sondern das System zu ändern, damit kommen wir zum „Result“ und zur „Reflection“. 

Result & Reflection:

Von echten Ergebnissen können wir sicher erst in Monaten oder besser in Jahren sprechen. Aber wir können sicher, gemeinsam und jeder für sich selbst, „Learnings“ aus dieser Krise mitnehmen.

Die äußeren Umstände, welche Krisen jeglicher Art mit sich bringen, führen häufig dazu, eigene innere Einstellungen oder Muster zu überdenken. Durch die äußeren Umstände wird also ein innerer Wandlungsprozess angestoßen. Man sucht und findet Bewältigungsstrategien und passt sich entweder der neuen Situation an oder findet für sich ganz neue Wege. Lasst uns mehr Gemeinwohl schaffen und Initiativen bilden, um solidarischer und nachhaltiger zu wirtschaften und zu leben.
Krisen sind nicht das Ende, sie sind ein Ende! Somit bietet jede Krise auch eine Chance zum (Neu-) Anfang! 

Oder, wie Hermann Hesse es vor gut 80 Jahren in seinem Gedicht „Stufen“ beschrieb: 

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe 

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, 

…Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben! 

Patricia Rennecke